1000 Gründe, warum Yoga gefährlich ist

Neulich stand es wieder in einer Zeitschrift. Schwerste Verletzung der Wirbelsäule durch Yoga. Deine Schwiegermutter, die andere Techniken bevorzugt, hat ihre Meinung dazu. Und selbst spürtest du auch ein Zwicken und Zwacken, damals, nach der Schnupperstunde. Juchhu, wieder ein Grund, nicht zum Yoga zu gehen.

 

Eigentlich hast du sowieso keine Zeit.

Dein eigenes Glück und Wohlbefinden stellst du hintenan, denn die Arbeit ruft. Dies und das muss noch erledigt werden, deine Chefin oder deine Kundinnen erwarten das von dir. Und zu recht! Schließlich wirst du für deine Arbeit bezahlt. Zu Hause ist die To-Do Liste auch ellenlang. Also, das geht wirklich nicht. Lieber fällst du spät abends todmüde ins Bett und, kaum hat dein Kopf das Kissen berührt, in einen komatösen Schlaf. Oder du wälzt stundenlang die Sorgen des Tages in deinem Kopf umher. So oder so fühlst du dich am anderen Tag wie erschlagen. Aber egal, die Bewunderung deiner Kollegen und Familienmitglieder ist dir sicher: Du bist immer für sie da.

 

Die Verspannungen im Nacken und Schulterbereich? Ach, daran hast du dich doch schon gewöhnt. Und sie bringen dir mitleidige Blicke ein. „Also Frau Müller, tun Sie doch mal was für sich. Können Sie das eben noch fertig machen, bevor Sie gehen?“ Du bist halt einfach unentbehrlich! Aber immerhin, es fällt auf. Du fühlst dich gelobt.

 

Dein unterer Rücken ist verspannt, du kannst kaum deine Schuhe binden, geschweige denn die Einkäufe ins Haus tragen. Ist ja ganz praktisch, dann müssen die anderen mithelfen. Du brauchst sie auch nicht fünf mal zu bitten wie sonst. Klappt viel besser so. Nach dem Essen räumen sie sogar die Küche auf, während du dich stöhnend aufs Sofa hievst und deinen Schmerz genießt.

 

Du gehst also weiterhin gekrümmt durchs Leben und lässt dich von anderen steuern. Du glaubst tatsächlich, dass es so bequemer ist. Denn einen Ausweg gibt es sowieso nicht. Du sitzt in der Falle. Geld verdienen. Familie versorgen. Freizeit? Hast du nicht. Brauchst du auch nicht. Also, wozu Yoga? Ist eh' gefährlich.

In der Tat. Yoga ist gefährlich.

Aber nicht für dich. Nur für deine Mitmenschen.

Denn wenn du beginnst, dich selbst besser kennenzulernen und auf deine eigenen Bedürfnisse zu achten, wenn du aufhörst zu sagen „ich hab' keine Zeit“, sondern wirklich das tust, was du tun möchtest und andere Dinge einfach liegen lässt, dann müssen das eben andere machen. Dann müssen halt andere mal abends den Tisch decken oder für ein Abendessen sorgen. Das ist für deine Familie natürlich nicht angenehm. Weil sie sich das ursprünglich anders vorgestellt hatten. Sie müssen sich auf eine Veränderung einlassen, nicht nur deines Lebens, sondern auch ihres Lebens. Du bist nicht mehr diejenige, die nur den anderen dient, sondern du schaust auch danach, dass es dir selbst gut geht, dass du deine Ressourcen schonst, dass du deine Batterien wieder auflädst. Natürlich wird das eine Umstellung für deine Familie sein.

 

Das kann dir auch Angst einflößen. Du könntest befürchten, dass dich deine Kinder nicht mehr so lieb haben oder weniger respektieren, weil du ihnen mehr abverlangst. Es gibt Diskussionen, vor denen du dich scheust, weil du einfach nicht mehr so viel tust für deine Kinder. Die müssen selber anpacken, die müssen vielleicht in Zukunft ihre Zimmer selbst aufräumen, oder es werden Aufgaben im Haushalt verteilt. Ihr macht einen Aufgabenplan, wer muss den Müll runtertragen, wer muss die Spülmaschine ausräumen, wer muss staubsaugen... Es kann auch sein, dass deine Kinder Geld verlangen dafür. Kinderarbeit! Wir wollen Mindestlohn! Das kann dir natürlich alles passieren.

 

Es kann aber auch sein, dass du so fest in dir ruhst, und du dir deiner selbst so sicher bist, dass du eine großartige Ausstrahlung hast. Die wirkt auf dein Gegenüber. Du sagst es, so ist es und so wird es gemacht. Sie merken, dass du aus der Tiefe deines Herzens empfindest, was du sagst.

 

Die Widerstände, die dir andere entgegen bringen haben sehr viel mit deiner eigenen Einstellung zum Thema zu tun. Wenn du selbst denkst, deine Freiräume stünden dir nicht zu, wenn du dir Sorgen machst, dass diese Widerstände kommen könnten und dir das vielleicht schon in leuchtenden Farben ausmalst...

 

  • „Montag Abend bin ich nicht zu Hause, da gehe ich ins Yoga.“
  • „Aber Mama, Montag hast du mich doch immer vom Training abgeholt, wie soll ich denn dann nach Hause kommen?“
  • „Du kannst ja zu Fuß gehen, ist doch nicht so weit.“
  • „Aber ich bin immer so kaputt nach dem Training und meine Tasche ist so schwer.“
  • „Nimm doch das Rad!“
  • „Aber am Montag soll es regnen!“
  • „Nimm doch die Bahn.“
  • „Och, nee! Die verpass' ich bestimmt wieder ganz knapp und dann muss ich 10 Minuten warten...“

Deine Gedanken senden Schwingungen aus.

Und jeder Schwingung folgt eine Resonanz. Wenn du dir Widerstände ausmalst, werden sie auch kommen. Wenn du jedoch davon überzeugt bist, dass du etwas für dich tun möchtest, und du ganz fest weißt, dass auch du das Recht hast dein eigenes Leben zu führen, dich um deine eigenen Bedürfnisse zu kümmern, dich um dein eigenes Glück zu kümmern, dann kommt das ganz anders an. Dann sendest du eine ganz andere Schwingung aus.

 

Male dir in schillernden Farben aus, wie du freudestrahlend und federnden Schrittes zu deiner Yogastunde gehst. Wie du es genießen wirst, dort, im Kreise gleichgesinnter Frauen zu sein. Wie wir danach noch schön in der Runde Tee trinken, und uns unterhalten über tiefgreifende Dinge, manchmal auch über oberflächliche Dinge. Male dir aus, in dieser Atmosphäre zu sein. Wenn du dich darauf freust und ganz sicher in dir ruhst, wenn es für dich eine vollkommene Selbstverständlichkeit ist, dass du da hingehen wirst und dass du das tun wirst, dann sendet das eine ganz andere Schwingung aus.

 

Dann wird dein Sohn vielleicht einmal sagen „Aber Mama, du hast mich doch immer abgeholt und jetzt soll ich zu Fuß gehen oder ich soll die Bahn nehmen, das will ich aber nicht...“. Das wird er vielleicht einmal sagen, aber er wird ganz schnell spüren, dass du darauf überhaupt nicht einsteigst, weil es für dich einfach kein Thema ist. Und seine Widerstände lösen sich auf.

 

Dieses kleine Szenario kannst du natürlich ebenso gut auf andere Situationen anwenden. Wenn deine Chefin das nächste Mal sagt: „Frau Müller, tun Sie doch mal was für sich“, dann springst du sofort auf und sagst: „Ach ja, stimmt, ich muss los. Heute habe ich Yoga. Da kann ich wieder richtig Kraft tanken und das da morgen früh als Erstes erledigen!“

 

Die Gefahr, die von Yoga ausgeht, besteht nicht für dich, die besteht nur für die anderen. Tu, was dir gefällt, tu, was dir guttut.

 

Falls du tatsächlich in einer Situation steckst, in der du praktisch (oder sollte ich sagen: gefühlt) keine Zeit hast für dich selbst, kannst du kleinschrittig beginnen.

Beginne in kleinen Schritten.

  • Schaffe dir zweimal die Woche 15 Minuten nur für dich.
  • In diesen 15 Minuten entspannst du dich mit einer geführten Entspannung von einer CD.
  • Oder du blätterst einen schönen Bildband durch.
  • Oder du liest ein schönes Gedicht.
  • Oder du hörst ganz intensiv ein gutes Musikstück, das dir am Herzen liegt.
  • Oder du tanzt zu deiner Lieblingsmusik.
  • Oder du schreibst Tagebuch.
  • Oder du...

In diesen 15 Minuten hängst du ein Schild an die Tür, BITTE NICHT STÖREN, fertig. Und der Anfang ist gemacht.

 

Bring' dich selbst aus der Gefahrenzone und beginne sofort damit, etwas für DICH zu tun. Oder möchtest du deine Gründe, warum Yoga gefährlich ist, mit uns teilen? Ich bin auf deinen Kommentar gespannt!


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