Warum Reisen und Urlaub nicht das Gleiche sind, und wie dudas meiste aus dieser Zeit machst

 

 

Aus Arbeitgebersicht ist der Urlaub eine Zeit, in der sich der Mitarbeiter erholen soll. Er soll Abstand gewinnen zu seinem Berufsalltag, zu seinen täglichen Pflichten, die Sinne frei werden lassen, Energie tanken, um mit frischen Kräften an den Arbeitsplatz zurückzukommen. Dies ist die Bedeutung des Wortes Urlaub.

Die Urlaubszeit ist aber nicht nur für Arbeitgeber, sondern auch für die meisten von uns mit großen Erwartungen verknüpft.

Natürlich wollen wir genau das, was unser Arbeitgeber auch will. Abstand gewinnen, uns erholen. Nicht nur von unserem Berufsalltag, sondern auch von unserem häuslichen Umfeld. Mal nicht mehr mit den vielen Aufgaben konfrontiert sein, einkaufen, kochen, spülen, putzen, aufräumen, Wäsche waschen. Und den Dingen, die auch mal wieder erledigt werden sollten: Fenster putzen, Garage ausmisten, das Bermuda-Dreieck auf dem Schreibtisch beseitigen, dann die Steuerklärung, Tante Gerda mal wieder einen lieben Brief schreiben, eigentlich wollten wir doch auch das Wohnzimmer frisch streichen?

 

Und natürlich verreisen wir auch im Urlaub! Den Stapel ungelesener Bücher neben dem Bett nehm ich mit. Außerdem habe ich mir extra ein paar schöne Kopfhörer gekauft, denn ich will im Urlaub mal wieder richtig entspannt Musik hören. Dieser Podcast, der mir neulich über den Weg lief, klingt so interessant, außerdem liebe ich Hörbücher. Ich möchte natürlich baden, surfen, mich sonnen, ausschlafen, die Gegend erkunden, nette Orte und ihre schönen Cafés kennenlernen. Welche Spezialitäten gibt es hier? Wie ticken die Menschen?

Hoppla! Da wird mir schon ganz schwummrig, und ich habe noch nicht mal gepackt. Der Tag hat 24 Stunden, meine Liebe, auch im Urlaub ist das so. Du wolltest doch endlich mal keine To-Do-Liste haben, auf der du alles Erledigte abhaken kannst. Wie willst du denn da entspannt zur Arbeit zurückkehren?

 

Vielleicht sollte ich doch lieber reisen, als Urlaub zu machen?

 

Denn die Reise gilt als „der Erreichung eines bestimmten Ziels dienende Fortbewegung über eine größere Entfernung.“ (Quelle: duden.de)

 

Fragt sich also, welche Distanz und was ist mein Ziel?

 

Vielleicht sollte ich mit dem Ziel beginnen.

 

Was möchte ich erreichen in meiner arbeitsfreien Zeit?

  • Entspannung
  • Kräfte tanken, Batterien aufladen
  • Reflektieren, was bringt mich denn immer so an den Rand meiner Belastbarkeit?
  • mögliche Änderungen/Verbesserungen finden
  • Neustart für ein weiteres Jahr

Und wie weit muss ich mich dafür fortbewegen?

 

Wenn ich meine Ziele einmal genauer betrachte, stelle ich fest, dass es sich um eine Reise zu mir selbst handelt. Muss ich dazu wegfahren?

  • Was brauche ich, um mich entspannen zu können?
  • Was brauche ich, um meine Batterien wieder aufzuladen?
  • Muss ich um reflektieren zu können unter einem weit entfernten Sternenhimmel sitzen, oder tut's auch der über meiner Terrasse?
  • Wieviel räumlichen Abstand benötige ich, um mir über mögliche Änderungen meiner alltäglichen Routine klar zu werden?

Die Antworten hierauf können ganz unterschiedlich ausfallen.

 

Die eine möchte ganz in Ruhe zu Hause Ordnung schaffen und Liegengebliebenes aufarbeiten, um sich dann den Fragen widmen zu können. Sie braucht, um sich entspannen zu können, klare Verhältnisse und Ordnung um sich herum und käme nicht gut damit zurecht, alles zurückzulassen und am Ende der Reise wieder mit den Bergen konfrontiert zu werden.

 

Für die andere sieht das womöglich ganz anders aus. Sie möchte sich frischen Wind um die Nase wehen lassen, die Fragen auf Reisen beantworten und so viel Energie tanken, dass sie nach der Reise zu Hause klar Schiff macht.

 

Und wieder eine Andere denkt sich: was soll's, dass es hier so aussieht? Ich kann noch ein weiteres Jahr damit leben und fahre möglichst lange weg!

 

Wichtig ist, dass du dich überhaupt mit den Fragen auseinandersetzt.

 

Was brauchst du, um dich entspannen zu können, wie kannst du dieses Ziel in deiner arbeitsfreien Zeit erreichen und wie kannst du am einfachsten auch kleine Entspannungsinseln in deinen Alltag einbauen?

 

Hier meine neun effektivsten Tipps:

 

Tipp 1:

Nimm dir mehrmals täglich Zeit, deinen Atem für 1-3 Minuten bewusst wahrzunehmen. Den Lufthauch in der Nase, die Ausdehnung deines Bauches, das Heben deines Brustkorbs. Beobachte auch den Weg zurück. Zähle die Atemzüge mit und bleibe mit deiner Aufmerksamkeit ganz beim langsamen Ein- und Ausatmen.

 

Tipp 2:

Dehne und strecke deinen ganzen Körper mehrmals täglich. Stehe morgens nicht auf, bevor du dich nicht intensiv in alle Richtungen gedehnt und geräkelt hast. Wenn du viel im Sitzen arbeitest, mache regelmäßige Pausen, um dich zu strecken. Auch vor dem Schlafengehen ist es sehr entspannend, alle Körpermuskeln noch einmal kräftig anzuspannen. Noch effektiver ist die Übung, wenn du dazu tief einatmest, während des Streckens „tierische Laute“ von dir gibst und kräftig und geräuschvoll ausatmest!

 

Tipp 3:

Nutze die tägliche Routine unter der Dusche oder am Waschbecken für intensives Fühlen. Wie perlt das Wasser auf deiner Haut? Wie weich fühlt sich die Seife an? Wie kratzig ist dein Handtuch? Was machen die Borsten deiner Zahnbürste in deinem Mund? Wie genau schmeckt die Zahnpasta? Welche Empfindung löst die Haarbürste auf deiner Kopfhaut aus?

 

Was brauchst du, um deine Batterien wieder aufzuladen? Und auch hier: wie kannst du kurze Batterieladezeiten in deinen Alltag integrieren?

 

Tipp 4:

Bewege dich regelmäßig. Nutze alltägliche Wege für dein kleines Bewegungsprogramm: welche Wege kannst du zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegen, statt gewohnheitsmäßig ins Auto zu schlüpfen? Steige die Treppe aus eigener Kraft hinauf, statt dich von der Rolltreppe oder dem Aufzug tragen zu lassen. Gehe einmal die Woche zum Yoga. Betreibe zusätzlich einen Ausdauersport, um deinen Kreislauf in Schwung zu bringen.

 

Tipp 5:

Lass dich inspirieren. Gehe einmal im Monat in eine Kunstausstellung oder in ein Konzert. Vielleicht bekommst du sogar Lust, selbst ein bisschen zu skizzieren oder gar zu malen. Oder du holst dein verstaubtes Instrument vom Dachboden?

 

Tipp 6:

Biete deinen Sinnen Abwechslung. Gehe mindestens einmal im Monat hinaus in die Natur. Lass die Jahreszeiten auf dich wirken. Nimm die Bilder in dich auf. Finde deinen Lieblingsort in der Natur, nicht weit von deinem Zuhause. Kehre regelmäßig an diesen Platz zurück und nimm ihn bewusst wahr. Wie hat sich dieser Baum im Laufe des Jahres verändert? Oder diese Wiese?

 

Was bringt dich immer wieder an den Rand deiner Belastbarkeit?

 

Vieles ist hier denkbar, ein Thema möchte ich jedoch vertiefen: die Zeitdiebe. Welche deiner Eigenschaften oder Tätigkeiten stehlen dir wertvolle Zeit? Weshalb kommen Entspannung und Auftanken oft zu kurz?

 

3 Zeitdiebe, die du leicht streichen kannst:

 

Tipp 7:

Perfektionismus. Du hast hohe Ansprüche an dich selbst und willst immer 100% liefern. Das spricht für dein Verantwortungsgefühl. Jedoch: bekommst du die Anerkennung dafür, die dir gebührt? Wer hat nach 100% gefragt? Wer hat sie bestellt? Und wer bezahlt sie? Letzten Endes sind die meisten Menschen mit weniger zufrieden, und die Rechnung bezahlst du selbst in Form von Stress, Müdigkeit, Überforderung, Gereiztheit... und das wirkt sich auf dein ganzes Leben aus.

 

Tipp 8:

Nicht NEIN sagen können. Oft ist es einfacher, JA zu sagen. Du giltst als bescheiden, nett und hilfsbereit. Nicht so egoistisch wie die anderen. Du gehst Konflikten aus dem Weg. Du bist nicht selbst Schuld, wenn du dein Leben nicht so gestalten kannst, wie du willst. Dabei hat zu viel JA sagen etwas mit einem geschwächten Selbstwertgefühl zu tun. Denn Egoismus ist nichts Schlechtes, sondern pure Selbstliebe. Nur wenn du gut zu dir selbst bist, sind es auch andere zu dir. Und nur wenn du gut zu dir selbst bist, hast du genügend Kraft, anderen zu helfen. Sag einfach öfter mal NEIN.

 

Tipp 9:

Zu wenig delegieren können. Hab Vertrauen in deine Familienmitglieder, deine Freunde und Kollegen. Hilf ihnen bei auftretenden Problemen, aber lass sie machen. Sie werden daran wachsen und dich in Zukunft immer öfter freiwillig unterstützen wollen.

 

Halte es also mit Sokrates und nutze deine arbeitsfreie Zeit für deine Innenschau. Damit es bis zum nächsten Jahresurlaub hält.

 

"Was wunderst du dich, dass deine Reisen dir nichts nützen? Bist du es nicht selber, den du herumschleppst? Was dich forttrieb, sitzt dir unmittelbar auf dem Nacken."

 

 

Übrigens, ich bin neugierig! Welche Ziele verfolgst du mit deinem Urlaub? Hinterlasse sie im Kommentar.

 


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