Deine tägliche spirituelle Praxis – warum sie alles und nichts bedeutet

Seit ich meinen (spirituellen) beruflichen Weg für alle sichtbar gehe, stoße ich immer öfter auf Fragen und Bemerkungen rund um (m)eine tägliche Praxis, die große Unsicherheit ans Licht bringt.

 

Für viele Familienmitglieder, Freunde, Bekannte und sogar Klient*innen, bedeutet das eine Abkehr vom „normalen“ Leben. Sie denken an Druck, Härte sich selbst gegenüber, Freudlosigkeit. Die Chance einer persönlichen Transformation wird kleingeredet, als unnötig empfunden. Gleichzeitig nehme ich aber auch Scham wahr, die notwendige Disziplin nicht aufbringen zu können.

 

Eine Frage, die ich dann gerne stelle: „Glaubst du an etwas zwischen Himmel und Erde, das wir nicht sehen, anfassen, messen oder wiegen können?“ - Ja, natürlich. Gott, die Quelle, das Universum, das Göttliche, mein höheres Selbst... es gibt viele Namen dafür.

 

Viele Menschen haben tiefe spirituelle Wurzeln.

 

  • „Früher gehörte ich einer Kirche an, nun gehe ich meinen eigenen Weg.“
  • „Ich bin religiös erzogen worden und ich gehe auch mit meinen Kindern regelmäßig in die Kirche.“
  • „Ich glaube an Gott, aber nicht so, wie ich es als Kind gelernt habe.“
  • „Ich weiß, dass da etwas Göttliches ist, das uns hilft.“
  • „Ich glaube daran, dass ich vom Universum unterstützt werde.“
  • „Ich weiß nicht, woran ich glaube, aber ich bin sicher, dass da etwas ist.“
  • „Wir alle haben eine unsterbliche Seele.“

 

Wenn ich sie weiter frage, wie denn ihre spirituelle Praxis aussieht, erfahre ich meist, dass es gar keine gibt. Dafür gibt es verschiedene Gründe.

 

Es herrscht große Verwirrung, wie eine tägliche spirituelle Praxis aussehen könnte.

 

Viele denken, dazu gehören Gebete und Meditationen im Morgengrauen, tägliche Yogaübungen, eine bestimmte Ernährungsweise, ein vollständiger neuer Lebensstil, ein großer Zeitaufwand.

Andere denken, dass eine wirkliche spirituelle Praxis keine Zeit und keinen Raum mehr lässt, für weitere Dinge. Sie denken an Rückzug und Abkehr von Familie, Freunden und Hobbys, an Alleinsein und Einsamkeit.

Nicht zuletzt besteht eine große Unsicherheit darüber, was Meditation denn nun wirklich ist. Oft höre ich Bemerkungen wie „Ich kann einfach nicht NICHTS denken.“

 

Tatsächlich geht es für die meisten von uns bei einer spirituellen Praxis darum, im Hier und Jetzt, mit unserem ganz normalen Alltag, gut und leicht zurechtzukommen. Einen Ausgleich zu schaffen zwischen Körper, Geist und Seele. Die Verbindung nach oben zu spüren und immer verfügbar zu haben, wenn wir sie brauchen.

 

Durch eine tägliche Praxis haben wir sie dann auch konkret zur Verfügung. Wir können unterscheiden zwischen den vielen verschiedenen Stimmen in uns. Wir erkennen unsere wahre innere Stimme und lassen uns von ihr leiten. Nichts anderes ist Spiritualität.

 

Durch Gebete hin und wieder mal, wenn es uns gerade schlecht geht, können wir nicht an diese Kraft, diese Quelle anknüpfen. Dann folgen wir nur dem Prinzip „Glaube, Liebe, Hoffnung.“

 

Was ist denn nun eine „richtige“ tägliche spirituelle Praxis?

 

Für viele Menschen ist es wirklich das frühe Aufstehen, Yoga und Meditation. Vielleicht strahlt die Praxis auch auf weitere Gewohnheiten, wie zum Beispiel Ishnaan aus. Manche lesen täglich in den Schriften großer Meister und Mystiker. Manche treffen sich jede Woche oder sogar öfter in einer Sangat oder Gemeinde um zusammen zu praktizieren.

 

Die meisten integrieren ihre Spiritualität aber so in ihren Alltag, wie es eben gerade geht.

 

Wie sieht dieses "so" aus?

 

Anstatt zu denken, du „musst“ etwas Bestimmtes zu einer bestimmten Zeit tun, ist es sehr hilfreich, deine Spiritualität als einen Wesenszug von dir zu sehen. Sie gehört einfach zu dir. Es geht darum, wie du bist, nicht zu einer bestimmten Zeit, sondern immer. Nicht an deinem hübschen Meditationsplatz, sondern überall.

 

Wenn du aus dieser Haltung heraus lebst, wirst du dich auf natürliche Weise hingezogen fühlen zu Praktiken, die dir helfen, dich zu öffnen und auszudehnen. Lesen, beten, meditieren, Tagebuch führen, singen, tanzen, in der Natur sein, dich gesund ernähren... das ganze Programm. Denn das alles hilft dir, dich für dein wahres Wesen zu öffnen und Eins zu werden.

 

Wenn du deine Spiritualität als deinen Wesenszug betrachten könntest...

  • ...würdest du dich auf ganz natürlich Weise hingezogen fühlen zu den universellen Kräften, die uns immer umgeben und uns unterstützen.
  • ...würdest du ganz natürlich über die Schwingungen des Kosmos lernen wollen, denn diese Schwingungen sind keine Einbahnstraße.
  • ...würdest du dich ganz natürlich weg von der Dunkelheit, mehr dem Licht zuwenden.
  • ...würdest du dich ganz natürlich von solchen Dingen und Glaubenssätzen unserer modernen Gesellschaft abwenden, die dir nicht dienen und die dich negativ beeinflussen.
  • ...würdest du ganz natürlich deinen Selbstwert erkennen und deinen Weg ungehindert gehen.

 

Wenn du deine spirituelle Praxis als dein Sein in der Welt betrachtest, wird es ganz leicht, Zeit und Raum dafür bereitzustellen.

 

Wir sind nicht Menschen, die eine spirituelle Erfahrung machen,

wir sind spirituelle Wesen, die eine Erfahrung als Mensch machen.

Yogi Bhajan

 

Wie holst du Spiritualität in deinen Alltag? Täglich?

 

Kämpfe nicht gegen deine Persönlichkeit. Arbeit mit ihr zusammen. So bleibst du im Flow.

 

Wenn du jemand bist, dem Regelmäßigkeit guttut und du dein Leben gerne strukturierst und organisierst, dann richte dir einen Zeit und einen Raum für deine tägliche Praxis ein.

 

Wenn du eine unruhige Seele bist, die nicht still sitzen kann, quäle dich nicht auf ein Meditationskissen. Lerne Geh- oder Bewegungsmeditation, singe Mantren, lerne Conscious Communication, eine gechantete Bewegungsmeditation aus dem Kundalini Yoga.

 

Wenn du gerne liest und studierst, beschäftige dich mit heiligen Schriften oder Mystikern.

 

Wenn du lieber hörst, besorge dir Hörbücher oder Podcasts...

 

Schaffe kleine spirituelle Inseln im Tagesablauf

  • Wenn du drei Minuten Zeit hast, atme bewusst lang und tief.
  • Wenn du zehn Minuten Zeit hast, zieh dich ein wenig zurück und meditiere.
  • Wenn du zwanzig Minuten Zeit hast, geh raus in die Natur und nimm sie in dich auf.
  • Wenn du eine Stunde oder mehr hast, mach' Yoga, tanze, schreibe...
  • Wenn du ganz viel Zeit hast, fahre ein Stück raus wo es etwas einsamer ist und nimm noch mehr Natur in dich auf.

 

Egal wieviel Zeit du hast, tauche tief in die Stille ein und verbinde dich mit dir selbst. Lausche nach innen.

 

Mach dir keine Gedanken über die richtige Art einer spirituellen Praxis, fange einfach an. Es gibt sowieso kein richtig oder falsch. Sieh deine Spiritualität als deinen Wesenszug, der immer da ist und den du immer und überall leben kannst.

 

  • Jeden Tag in all den kleinen Übergängen zwischen zwei Tätigkeiten.
  • Reihe die einzelnen kleinen Elemente deiner spirituelle Praxis aneinander wie eine Perlenkette.
  • Empfinde Freude dabei!
  • Diese Freude ist dein Katalysator in ein erfülltes Leben.

 

 

Lass uns wissen, wie du mit diesen Tipps zurechtkommst und füge gerne weitere hinzu!

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