Die Wahrheit über Work-Life-Balance

Es gab Zeiten in meinem Leben, da hätten die Tage mehr Stunden haben müssen, damit ich noch mehr erledigt und geschafft bekommen hätte. Ich strampelte mit meiner To-do-Liste in der Hand in meinem Hamsterrad und kam nie am Ende der Liste an.

 

Hört sich bekannt an?

 

Um dieses Gefühl der Ohnmacht ist in den letzten Jahren ein Riesengeschäft unter der Überschrift „Zeitmanagement“ entstanden. Bücher, Apps, Seminare, Kurse... alles vorhanden, alles verfügbar. Doch hilft Zeitmanagement wirklich dabei, etwas Wesentliches zu verändern? Oder tappen wir dabei in eine Selbstoptimierungsfalle, die mit unseren wahren Wünschen und Bedürfnissen nicht viel zu tun hat?

 

Kann man Zeit überhaupt managen? Oder müssten wir nicht besser uns selbst managen?

 

Zeit passiert einfach, egal, was wir tun. Sogar wenn wir nicht da sind, also tot, geschieht Zeit immer noch. Seltsamerweise denken wir aber, wir könnten Kontrolle über Zeit erlangen, wenn wir nur die richtigen Techniken finden.

 

In Wahrheit kannst du nur dich selbst besser managen. Wenn du mehr erledigt bekommen möchtest, wenn du Stress reduzieren oder ganz ausschalten willst, wenn du bessere Beziehungen haben willst, ein erfüllenderes Leben...

 

Lerne Selbstmanagement ohne in die Selbstoptimierungsfalle zu treten.

Zugegeben, hört sich nicht sehr sexy an. Wenn ich etwas managen und dabei auch noch nach versteckten Fallen Ausschau halten muss, vergeht mir sofort die Lust.

 

Versuchen wir es mal mit Akzeptanz.

 

  • Ich akzeptiere, dass ein Tag 24 Stunden hat. Nicht mehr und nicht weniger.

  • Ich akzeptiere, dass mein Leben viele verschiedene Facetten hat und die Prioritäten nicht immer klar verteilt sind.

  • Ich akzeptiere, dass ich ein Mensch bin, der sehr produktive und weniger produktive Zeiten hat.

  • Ich akzeptiere, dass ich immer nur an einem Ort sein kann, dass ich nur einen Kopf und nur zwei Hände habe.

  • Ich akzeptiere, dass ich Stärken habe und mir manche Dinge deshalb leicht fallen, dass ich mich anderen Aufgaben aber stellen muss.

  • Ich akzeptiere, dass ich alles haben oder tun kann, aber nicht gleichzeitig.

 

Wenn wir an Work-Life-Balance denken, stellen wir uns in der Regel ein allzeit ausgeglichenes Leben vor. Dabei steckt im Wort Balance ja schon das Wackelige. Steh auf einem Bein und du wirst merken, dass du wankst, dass die Muskeln in deinem Körper höchst aktiv sind, dass du früher oder später womöglich kippst, selbst wenn du schon recht geübt darin bist.

 

Oder stelle dir die Balance einer Wippe vor. Sie wird selten genau in der Mitte stehen bleiben und genau austariert sein. Je nach Gewicht und Bewegungsfreude des Einen oder Anderen, wird sie sich bewegen. Und mal ehrlich, eine Wippe, die in der Mitte stehen bleibt, ist doch langweilig. Da gibt es auch kein Fortkommen und keine Veränderung mehr. Nur Verharren.

 

Ich kann mich an Situationen auf dem Spielplatz erinnern, ich als Kind mit meinem Cousin oder meiner Cousine auf der Wippe und ein Jugendlicher oder ein Erwachsener, der die Wippe angehalten hat. Egal ob ich oben, unten oder in der Mitte war, mein Protest war groß und laut! Langweilig!

 

Akzeptieren wir also das Auf und Ab des Lebens und das Auf und Ab unseres Alltags. Um beim Bild der Wippe zu bleiben: die rechte und die linke Seite schlagen nach oben und unten aus, die Mitte bleibt aber stabil. Und genau darum geht es. Deine Mitte.

 

Selbstverantwortung, Selbstversorgung, Selbstpflege, Selbstfürsorge... und Abgrenzung.

Nenn es wie du willst, es geht einfach und alleine darum, die Verantwortung für dich selbst zu übernehmen. Denn nur wenn du dir selbst genügend Zuwendung schenkst, kannst du auch für andere da sein. Und nur wenn du dir selbst genügend Zuwendung schenkst, bist du im Flow.

 

Gönne dir ganz einfache Dinge, die nicht viel Raum und Zeit brauchen.

 

  • Nimm ein Vollbad mit einem schönen Duft.

  • Setz dich einen Moment in Stille hin und geh nach innen.

  • Meditiere ein bisschen länger als sonst.

  • Beginne den Tag mit ein paar Minuten ganz für dich alleine, bevor du in deinen gewohnten Modus gleitest.

  • Geh Spazieren, in der Natur.

  • Lasse dich massieren.

  • Iss etwas, wonach du ein Verlangen spürst.

  • Sag anderen, wie es dir geht und was du gerade brauchst.

 

Tu das nicht ritualisiert, sondern ganz bewusst, zusätzlich zu deinen Gewohnheiten, wenn du merkst, dass du aus deiner Mitte kommst. So kannst du selbst deine Schwingung wieder erhöhen.

 

„Practise one act of radical self-love every day.“  Gabrielle Bernstein

Schaffe mehr Raum in dir selbst für mehr Raum im Leben, indem du bewusst Prioritäten setzt.

Weil dein Kopf häufig versuchen wird, die Kontrolle zu behalten und dich mit endlosen Gedankenketten beschäftigen will, befrage ganz bewusst dein Herz bevor du etwas zusagst, dir selbst oder jemand anders gegenüber.

 

Lass deinen Atem lang und tief werden, bringe die Handflächen vor deiner Brust zusammen und frage dein Inneres:

 

Welchen Rat kannst du mir heute geben? Möchte ich das wirklich? Sage ich ja, weil ich mich verpflichtet fühle oder weil ich wirklich will? Fühlt sich Ja-sagen gut für mich an? Gibt es mir etwas oder entzieht es mir Energie?

 

Lausche den Antworten mit geschlossenen Augen.

 

In einem früheren Blog-Artikel kannst du dir noch einmal Inspirationen zum Thema Nein-sagen holen. Den link findest du am Ende dieses Artikels.

 

Verbinde dich mit deiner Spiritualität.

Versuche, das ganze Bild zu sehen. Du bist mehr als die Person, die in diesem Körper steckt. Bewege den Gedanken, dass du ein spirituelles Wesen bist, das gerade eine Erfahrung als Mensch macht. Wer steckt in diesem Körper, wer ist in dieser Hülle zu finden?

 

Es gibt nichts Intimeres, als einem Menschen tief in die Augen zu schauen. Es verbindet, schafft Nähe und Tiefe. Das gilt auch für dich selbst. Setze dich nah vor einen Spiegel und schau dir selbst tief in die Augen. Am besten wählst du ein Auge, auf das du dich fokussierst, dann halte diesen Blick für 5 Minuten oder sogar länger. Sei ganz da und versuche, hinter dein eigentliches Auge zu schauen. Was verbirgt sich dort? Was siehst du dort? Versenke dich immer tiefer in diese Verbindung zu dir selbst.

 

Stärke die Beziehung zu deinem Körper, spüre ihn sooft du kannst.

Dein Körper ist dein Haus in diesem Erdendasein. In ihm wohnst du und du sollst dich darin wohlfühlen. Halte ihn jung und frisch.

 

Bewege dich täglich, am besten an der frischen Luft. Geh zu Fuß oder fahr mit dem Rad, reduziere das Fahren mit dem Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln auf das Notwendigste.

 

Gib deinem Körper die besten Nahrungsmittel, nicht Lebensmittel. Du willst ja schließlich auch mehr als nur leben, du willst gut genährt sein, körperlich genauso wie spirituell.

 

Spüre deinen Körper: öle dich jeden Tag ein und mache ein sinnliches Erlebnis daraus. Dusche dich morgens kalt ab. Verbringe viel Zeit im Wasser, geh Schwimmen, Kneippen, bade und dusche rituell.

 

Geh viel barfuß oder mit Sohlen, die so dünn, weich und flexibel sind, dass du möglichst viel vom Untergrund spürst. Geh bei jedem Wetter raus und spüre die Elemente auf deiner Haut.

 

Verbinde dich mit dem Erdelement, ein paar Minuten gärtnern jeden Tag geht auch auf dem Balkon oder der Fensterbank. Ohne Handschuhe, versteht sich...

 

Räume deinen Kopf auf.

Erkenne den Unterschied zwischen wahrhaftig sein und sich beklagen. Es geht nicht darum, die Dinge schön zu reden und mit einer nicht empfundene Positivität das Negative zu überdecken. Doch du kannst immer noch Dankbarkeit spüren, auch wenn du gerade strauchelst.

 

Genieße den Prozess. Was steckt Lehrreiches für dich in jeder Situation, auch in einer schwierigen?

 

Fang am besten sofort nach dem Aufwachen mit dem Aufräumen an, denn deine ersten Gedanken wirken sich auf den ganzen Tag aus.

 

Ein paar Fragen zum Einstieg:

 

  • Woran denkst du als erstes, wenn du morgens aufwachst? Und woran möchtest du gerne denken?

  • Wie startest du in deinen Tag? Führend, aufgrund deiner eigenen Entscheidungen? Oder hinterherjagend, aufgrund der Entscheidungen anderer?

  • Wie würde dein idealer Morgen aussehen? Welchen ersten Schritt kannst du heute noch tun, um diesem Ideal ein bisschen näher zu kommen?

  • Wie gut managst du dich selbst? Handelst du häufig Versuchungen und Begierden erliegend? Oder handelst du öfter gemäß deinen Werten und Vorstellungen?

 

Nimm dir Zeit, eine Tasse Tee und beantworte diese Fragen ganz in Ruhe und schriftlich. Leg' deine Antworten zur Seite, denke ein paar Tage darüber nach, beobachte dich. Ergänze deine Antworten ganz sachlich und ehrlich. Und dann ziehe deine Schlüsse.


„Turn towards pleasure, not away from pain.“ Danielle LaPorte

 

 

 Eine hervorragende Möglichkeit Veränderungsprozesse zu meistern, ist die Kombination moderner Mindset-Arbeit mit jahrtausendealten yogischen Techniken.

Kundalini Yoga ist eine traditionelle, über Jahrtausende überlieferte Lehre, die direkt an deiner Gesamtenergie arbeitet.

Dein Energiefluss funktioniert auf ganz einfache Art und Weise: entweder du beherrschst ihn oder er beherrscht dich. Stell dir Meereswellen vor: Entweder stehst du über der Energie und schwimmst auf ihr oder du bist unter der Energie und sie überschwemmt dich. Mit Kundalini Yoga lernst du, deine Energie zu erfahren, zu steuern und Situationen zu meistern. So wirst du immer öfter in der Lage sein, selbst dein Gleichgewicht, also deine Balance herzustellen.

 

Die Übungsreihen (Kriyas), bestehend aus verschiedenen körperlichen Übungen (Asanas), sowie die Atemtechniken (Pranayama) aus dem Kundalini Yoga wirken auf der körperlichen und auf der feinstofflichen Ebene. Sie schaffen in dir ein Gleichgewicht und du wirst spürbar mehr Energie haben. Du wirst feinfühliger, so dass du dein wirkliches Selbst wahrnehmen kannst. Du wirst mehr und mehr deine innere Stimme hören und ihr folgen, statt dich von den äußeren Umständen deiner Realität steuern zu lassen. Du wirst ganz entspannt die richtigen Entscheidungen treffen, in diesen hektischen Zeiten.

 

Prana bedeutet Lebensenergie. Wenn du die Kunst des Pranayama beherrschst, herrschst du über deine eigene Lebensenergie. DU selbst schaffst inneren Frieden und Ausgeglichenheit und strahlst dies nach außen. Alle, die mit dir zu tun haben, werden es spüren und auch ihr Verhalten dir gegenüber wird sich zum Positiven verändern. Alles was du tust, egal ob privat oder beruflich, ist ein direktes Ergebnis davon, wie DU deine Energie lenkst. Es wird weniger darum gehen, WAS du tust, sondern WIE du es tust. Du wirst weniger mit den Dingen hadern, die du zu tun hast, sondern deine Einstellung zu diesen Dingen ändern. Und natürlich wirst du auch in der Lage sein, das zu ändern, was du so in deinem Leben nicht mehr haben willst.

 

Hier findest du zwei Atemmeditationen: Pranayama Meditation für Selbstmanagement und Pranayama Meditation für erhöhte Energie und für die Arbeit mit Gruppen.

 

Und hier geht es zum Artikel über das Nein-Sagen.

 

Wie stehst du zum Thema Zeit-Management? ich bin gespannt auf deine Meinung und deine Erfahrungen - hinterlasse doch einen Kommentar!

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Kommentare: 1
  • #1

    Bettina Navjodh (Donnerstag, 28 März 2019 08:54)

    Super zusammen gefasst liebe Simone! Toller, inspirierender Artikel!